Bd. 1: Dieses Buch stellt eine Reise durch Zeit und Raum dar: Es führt uns ins Alltagsleben von Pomacanchi in den 1980er Jahren mit seinen Gebräuchen, seinen Festen, seiner Sprache. Aber darüber hinaus öffnen uns die mündlichen Quechua-Erzählungen, d.h. die mündliche Literatur Pomacanchis, ein Fenster, das uns ermöglicht, die Welt aus andiner Perspektive zu sehen, deren Betrachtungsweisen so überraschend sind, wie wir es niemals erwartet hätten.
Bd. 2: Dies ist die erste wirkliche Anthologie mündlicher Quechua-Erzählungen aus einem peruanischen Dorf (Pomacanchi). Die bisher veröffentlichten Anthologien beinhalten mündliche Quechua-Erzählungen, die an die literarischen Normen des geschriebenen Spanisch (oder einer anderen europäischen Sprache) angepaßt wurden. Auf diese Weise entstanden Anthologien von europäisierten Quechua-Erzählungen. Diese Anthologie hingegen bewahrt den Text genau so, wie er erzählt wurde: mit Zwischenrufen, Unterbrechungen, Interventionen der Zuhörer. Jede Erzählung wird begleitet von Informationen zu den Umständen, in denen sie erzählt wurde, und von Erläuterungen schwieriger Ausdrücke. Auf diese Weise wird der Charakter eines mündlichen literarischen Werkes beibehalten, und gleichzeitig entspricht sein Inhalt der mündlichen Kultur-Tradition von Pomacanchi. Die Quechua-Texte sind so niedergeschrieben, daß alle Formen und Worte, die der Erzähler oder die Erzählerin verwendet hat, beibehalten sind, ohne den von Akademikern vorgeschlagenen Normen zu folgen.
Margit Gutmann ist eine deutsche Ethnolinguistin, die sich im Alter von 30 Jahren aufmachte, in Pomacanchi zu leben, einer quechua-sprachigen Dorfgemeinschaft in der Region Cusco in den Südanden Perus, um dort „Menschen kennenzulernen, die möglicherweise Geschichten erzählen konnten, und Freundschaften zu knüpfen“. Während der vier Jahre (1982-1985), die sie in diesem Dorf lebte, gelang ihr beides: Sie knüpfte enge Bande mit den in der Quechua-Kultur verwurzelten Bauern und mit den mistis, die sich mehr an der spanisch-sprachigen Kultur orientierten; mit Frauen und Männern, mit Kindern und Greisen. Margit Gutmann erklärte ihnen, worin ihre Arbeit bestand, und alle akzeptierten gerne und mit Offenheit, ihr nicht nur Geschichten aus ihrer reichen Erzähltradition zu erzählen, sondern ihr auch zu erlauben, diese auf Band aufzunehmen, um sie zu veröffentlichen.